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Gedanken ueber Sinn und Zweck der Menschlichkeit
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Thursday, 8 March 2007
John Coustos & die Freimaurer & die Folter in Portugal in 1743

Portugal wurde vom Dreissig Jaehrigen Krieg verschont.
Portugal blieb einheitlich urkatholisch.

Einen portugiesischen Christian Thomasius (1655 - 1728) hat es nicht gegeben.
Portugal blieb ein Land der Scholastik, der urkatholischen Orthodoxie und deshalb fest im Griff von Inquisition und ueberall drohender Folter.

In Preussen waren wohl seit 1714 die Hexenprozesse abgeschafft worden, aber bei der Tortur, den Folterungen eines Angeklagten, um ein Gestaendnis herauszupressen, war man vorsichtig:
Mit koeniglicher Genehmigung, so bestimmt Friedrich II. im Jahr 1740 , darf gefoltert werden, insbesondere bei Majetaetsverbrechen, Landesverrat und Mordtaten.
Und in Oesterreich wird die Tortur erst im Jahr 1776 durch Freiherrn v. Leber abgeschafft.
Da war in Portugal schon lange die segensreiche aufgeklaerte Politik des Marquês de Pombal am Werk.

Aber noch ist es in Portugal nicht soweit:

In Portugal gruenden 1727 Kaufleute aus England eine (von England gestiftete) Freimaurerloge.
Die Englaender sind Protestanten, Auslaender, und geniessen dank den portugiesisch-englischen Handelsvertraegen eine Sonderstellung.

Es stoert sie nicht, in den Stasi-Akten der Inquisition als Hereges Mercadores (Irrglaeubige Kaufleute) gefuehrt zu werden.

1733 allerdings wird in Lissabon eine zweite Loge gegruendet.

Casa Real dos Pedreiros-Livres da Lustânia
(Koenigliches Haus der Freimaurer von Lusitanien)
 
Diesmal liegt die Sache anders !
Mitglieder in dieser Loge sind mehrheitlich Katholiken, und zwar Irlaender, die teils als Kaufleute, teils als Soeldner im portugiesischen Heer angestellt sind.
Ansonsten finden sich unter ihnen auch Seeleute, Aerzte, drei Dominikaner Moenche, ein Gastwirt und sogar ein Tanzlehrer.
 
1738 hat der Papst Clemens XII (1652 - 1740) von den vielen Freimaurern endgueltig die Nase voll und verbietet sie:
 
IN EMINENTI  
(vom 28.4.1738)
 
Die Katholiken reissen die Saeulen nieder, loesen die Loge auf.
 
In dieser Zeit des Argwohns und der Unsicherheit kommt ein Schweizer Diamantenhaendler nach Lissabon.
Er traegt einen englischen Pass und auch sein Name laesst darauf schliessen, dass er einer portugiesisch-juedischen Familie entstammte:

John Coustos (1703 - 1746)

Kurios:
Br. Coustos war in der Geschichte der Freimaurerei der erste Suchende, welcher nach bestandener Pruefung ein Paar weisser Handschuhe erhielt.
Das Tragen des Hohen Hutes (Zylinder) war meines Wissens in England kein Zeichen eines freien Mannes.
Waere dem so, haette die Grosse Landesloge von Deutschland diesen denkwuerdigen Brauch in Deutschland vermutlich nicht abgeschafft.

1741, John Coustos gruendet in Lissabon eine Loge !
Weil er selbst in Frankreich bereits einer Loge angehoert, wird "seine" Loge in Lissabon von Frankreich aus gestiftet.

Er ist zwar selber Protestant, aber seine Loge wird ein Inbegriff der Vielfalt und Voelkerverstaendigung, treu im ureigenen freimaurerischen Sinn.

Eine Besonderheit hat diese neugegruendete Loge allerdings:

In der Loge von John Custos versammeln sich vorwiegend Fachleute und Haendler von Diamanten, Edelsteinen, Gold und Silber.
 
Damit tangiert die Loge unmittelbar die Geschaeftsinteressen von Kirche, Papst und indirekt auch des Koenigs Portugals.
Vergleichen wir heute den Diamanthandel von damals mit den internationalen Rauschgiftgeschaeften unserer Tage.
Es wird nach Kraeften gemauschelt, allen voran von den staatlichen Geheimdiensten, welche Geld fuer Soeldnerarmeen beschaffen muessen.

Tatsaechlich sind die portugiesischen Kronjuwelen bis heute verschwunden.
Tatsaechlich bluehte der Schwarzmarkt von Edelsteinen in Portugal nach Salazar , also nach der Nelkenrevolution 1974, wieder so richtig auf.
Und jeder beschuldigt den anderen, eine "Mafia" zu sein.
(Beitraege hierueber
 
Und keine Frage:
Der Schwarzmarkt stoert die Kirche gewaltig !

1743 findet sich endlich eine als mental minderbemittelt bekannte Zeugin, welche bei den Behoerden aussagt, dass sich im Haus ihres Nachbarn Personen treffen.....
 
"......leibhaftige Monster, welche die aller schrecklichsten Verbrechen begehen"
 
John Coustos, der Logenmeister wird von der Inquisition heimlich angeklagt !
Einige Tage spaeter wird er in einem Café sitzend verhaftet.
 
Die Anklage:
Diebstahl wertvoller Diamanten

Ausserdem werden kurz darauf auch der Erste Aufseher der Loge, Manoel Revehot sowie der Brunder Damião de Andrade eingekerkert.
 
In seinen Erinnerungen wird John Coustos in eindrucksvoller Weise beschreiben, wie ihm in seinem Kerker zumute war.
Das Reden und Klopfen waren ihm verboten.
All seines Geldes, seiner Papiere beraubt, verfiel er in eine tiefe Melancholie.
 
Vor dem Gericht -bestehend aus Dominikaner Moenchen-, das ihn auffordert, saemtliche Anschuldigungen zu gestehen, gibt Coustos die stolze Antwort:

Er sei von Kindesalter an gelehrt worden, nur vor Gott nicht aber Menschen gegenueber zu beichten.
 
Die Anklaeger koennen ihm nichts anderes sonst beweisen.
Der einzige Anklagepunkt, den man beweisen koennte, bleibt die Mitgliedschaft in einer verbotenen Terrororganisation.
 
Also fordert man ihn sueffisant auf, gleich auch saemtliche Namen aller Mitglieder zu nennen...wohlwissend, dass ein Logenmeister ein solches Ansinnen nicht erfuellen darf.....
 
Daraufhin erlebt Coustos, was vor ihm bereits tausenden aufrichtigen Christen, Juden und Muslimen das Leben zur Hoelle gemacht hat:

Koustos undergoing Torture

The Sufferings of John Coustos for Freemasonry and for his refusing to turn Roman Catholic, in the Inquisition at Lisbon; Where he was sentenc'd, during Four Years, to the Galley; and afterwards releas'd from thence by the gracious Interposition of his present Majesty King George II. London : Printed by W. Strahan, for the Author, 1746. 400pp.

(Quelle)

Logenmeister John Coustos bleibt standhaft seinem Schwur treu.
Zur Strafe muss er auf die Galeeren Portugals.
Durch die Fuersprache englischer Freunde beim Koenig, erhaelt er seine Freiheit zureuck, immerhin, und darf auswandern.

Portugal war pleite und hatte einen Koenig, der vermutlich deutsch verstand, weil Mama ein Deutsche war,  und ueberhaupt war er ein religioeser Wirrkopf, ein Schwaermer, verschwendungssuechtig und groessenwahnsinnig......

eine Pest fuer Portugal:

Koenig João V. (1680 - 1750)
Der Grossartige  (Magnânimo)
Der Allertreuste (Fidelissimo)
 
 
Dank diesem Koenig werden heute, am 8.3.1743 folgende Freimaurer in Lissabon durch den Strang vom Leben in den Tod befoerdert:

Cristovão Diego
Manoel de Revehot
Damião de Andrade
 
Erst der Marquês de Pombal, der erste Herkules im Staate Portugal, wird diesem Irrsinn kirchlicher Omnipotenz und koeniglicher Verantwortungslosigkeit ein Ende bereiten !

Ob die Portugiesen heute jene Maertyrer der Menschlichkeit noch kennen ?
Ob Strassen, Schulen und Hauptplaetze nach ihnen benannt wurden und heute Gedenkfeiern abgehalten werden ?
Fragt mal Portugiesen !
 
... 
 
----------
Quellen:

1.  GRANDE ORIENT LUSITANO
 
2.  Regulaere Grossloge von Portugal
 
3. Cristine Vieira Vilarino 
 
4. Brother John Coustos
 

Posted by Ralf at 3:10 PM GMT
Updated: Friday, 9 March 2007 11:42 AM GMT
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