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Gedanken ueber Sinn und Zweck der Menschlichkeit
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Saturday, 30 June 2007
Hinrichtung der kongo-katholischen Religionsprophetin Kimpa Vita 1706

Als die Portugiesen erstmals in Person des Schiffsführers Diogo Cão (die Aufgabe eines "Kapitäns" erfüllt in Portugal immer nur ein wenig respektierter "piloto" und ich weiß nicht, was genau Diogo war....) als sie also im April des Jahres 1483 an der Flußmündung des Zaire ankamen, ihren Stein der Besitznahme aufstellten, und das Land erforschten.....zeigten sie eine erstaunliche Feinfühligkeit im Umgang mit Fremden:

Der König (Mani) Nsoyo und seine Position als König von Kongoland (Mani Congo) wurde von den Portugiesen aufrichtig und von den portugiesischen Königen "brüderlich" respektiert.

Es herrschten im Reich Congo bereits seit 300 Jahren friedliche und geordnete Verhältnisse:
Auf dem Land lebten die freien Weidebauern, die lubata.
In den Städten lebten die Adligen, die mbanza.

Die lubata hatten einen Dorfältesten, den nkuluntu, der die Überschüsse der Ernten freiwillig an die mbanza abführte.
Der Tribut war als spirituelle Pflicht, als kitomi, den Geistern geschuldet.

Außerdem hatten die Adligen Zeit- Zwangsarbeiter, die keineswegs rechtlosen Sklaven -wie in christlichen Ländern- waren, bei sich auf ihren eigenen Feldern am arbeiten.

Obschon alle Kongolesen Banto waren aus der Gruppe der Bakongo, hatte sich seit Generationen diese Trennung der Gesellschaft herausgebildet.

Weil die Portugiesen freundlich waren, ließ der amtierende Mani Congo , der Muene-Muzinga-a-Cuum,  sich im Jahr 1491 gern zu einem Katholiken taufen und nahm den Namen des Königs Portugals an: Dom Joao.
Sein Sohn, M'benza-a-Nzinga, tat seinem Vater gleich und taufte sich im Jahr 1507 auf den Namen: Dom Afonso.
Die Hauptstadt seines Landes hieß ab sofort: San Salvador !


Alles was die Kongolesen hatten, zum Beispiel Gold, verkauften sie den Portugiesen gern für nzimbu, das waren kleine Muscheln.
Das Muschelgeld war wertvoller als Gold !

Wären die Sklavenhändler, die sich bald von Portugal nicht mehr kontrollieren ließen, und die Missionare, insbesondere die Kapuziner, die sich genausowenig von Portugals Königen kontrollieren lassen wollten und alle nur das schnelle Geld und brutale Versklavung von jedermann, ohne Rücksicht auf historische Unterschiede, Rang und Rechtmäßigkeit, im Sinn hatten.......wären sie nicht derart habgierig gewesen, die Geschichte Afrikas und Portugals wäre für alle glücklicher verlaufen.

Die von Sklavenhändlern aufgewiegelten Landesfürsten begannen, sich gegenseitig zu bekämpfen und baten in ihrer Not sogar den Papst um Hilfe !

Nur der war ja einer der Hintermänner....und antwortete selbstverständlich nicht.

Früher war alles besser....sagten sich bald sogar die Kongolesen.
Früher, als der christliche Glauben noch nicht verdorben war.....

Eine alte Geisterbeschwörerin namens Ma-Futa behauptete doch tatsächlich, den Totenschädel Christi zu besitzen und beschwor ihre wachsende Zuhörergemeinde mit ihren Marienvisionen.

Die Missionare wollen sie als Hexe verbrennen.
Der Adel verbietet diese für Afrikaner undenkbar grausame barbarische Strafe.

Eine offensichtlich hochintelligente junge Aristokratentochter aus uralter Priesterfamilie erkannte die Notwendigkeit, gegen die Fremdeinflüsse vonseiten Portugal und Missionare eine nationale Besinnung und Einigkeit wie sie früher war wieder heraufzubeschwören:

Kimpa Vita (1684 - 1706)

Sie ist eben nicht mit Jeanne d´Arc gleichzusetzen.
Jeanne war auf ihre Art wahnsinnig....

Kimpa war weise...wie eine Heilige im Orakel von Delphi.

Man muß ihr Geschick, mit "Visionen" sowohl die Erwartung ihres Volkes zu bedienen, als auch dem tiefen christlichen  Bewußtsein zu entsprechen mit Hochachtung anerkennen.

Sie wollte keine neue Religion, keine Sekte, mit eigenem Wahrheitsanspruch gründen.
Sie wollte schlichtweg christliche Werte für ihr Kongoreich "denominieren".
Und ihre Predigten zeigten erstaunliche Wirkung !

Ihre Anhänger benannten sich nach und beriefen sich- wie sie es lehrte- auf den Heiligen Antonius !

Die heutige Kimbanguistenkirche  beruft sich noch heute auf ihre Weissagungen.

2. 7. 1706

Kimpa Vita wird von den Kapuzinern
auf dem Scheiterhaufen verbrannt
 
Trauertag
in Ex-Zaire und Nord Angola
 
mit Pauken, Tuba & Trompeten 
 
Diese Blaskapelle und ihr beschwingter Rythmus
sind/können sein Ausdruck tiefster Trauer.
 
Ich habe 3 Wochen als Gast des Botschafters von Zaire in Deutschland
in Kinshasa bei ihm zuhause  gewohnt,
lernte Matadi und Lubumbashi kennen
nie sah ich Menschen härter arbeiten als in den Stahlwerken
lernte ein paar Sätze auf Lingala sagen.

habe den Duft des Landes eingeatmet
habe in stockfinsteren Kneipen getanzt
wohin mich der Fahrer mitgenommen hatte
 
mit Mobuto Seseseku Champagner getrunken
und auf einer Hochzeit Maden gegessen
und war bei Botschafters Mutter im Haus
auf dem Plumps Klo im Ziegenstall
(die Konsuln und BDI-Freunde verließen das Sheraton nie !)

Ich suche meinen Freund Mbanza Buanga (Gracia)
dem ich diese schönen Erinnerungen verdanke.....
 
Zaire -so kenne ich es- ist ein wunderschönes Land
mit wunderbaren, lustigen und religiösen Menschen !

Posted by Ralf at 3:42 PM BST
Updated: Saturday, 30 June 2007 8:12 PM BST
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