Gedanken ueber Sinn und Zweck der Menschlichkeit
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Friday, 1 December 2006
1. Dezember 1640 - Portugal will nicht spanische Provinz werden

Heute ist Feiertag in Portugal.

Heute haben die Conjuradores (Verschworenen) den heimlichen Beschluss gefasst, die Unabhaengigkeit des Koenigreiches Portugal von seinem spanischen Nachbarn auszurufen und den Herzog von Bragança (1604 - 1656) zum Koenig João IV zu kroenen.

Kroenen ?
In Portugal wurden Koenige seit altersher nach altgermanischer Gotensitte nicht  "gekroent" sondern  durch  "Ausruf"  (proclamação)  der Cortes (Landstaende) inthronisiert.

Jõao, als typischer Portugiese jede Art von persoenlicher Verantwortung scheuend , will aber die Krone garnicht zugerufen bekommen und lieber Herzog bleiben....
Die Verschworenen schauen daher schon auf seinen juengeren Bruder Dom Duarte .

Darueber wird Joãos spanische (!!) Ehefrau Luisa de Gusmão (1613 - 1666) fuchsteufelswild !

Sie schreit ihre Dumpfbacke von Ehemann an mit den Worten:

"Lieber einen Tag Koenigin als ein Leben lang Herzogin"

Da muss Angsthase João klein beigeben.
Um bloss auf keinen Fall jemals als Verantwortlicher Rede und Antwort stehen zu muessen, denn es beginnt sofort ein 28 Jahre waehrender Krieg, legt er im Jahr 1646 symbolisch fuer ewige Zeiten die Krone Portugals nieder auf ein Seidenkissen.
Niemals wieder wird diese Krone ein Koenig Portugals auf seinem Haupt tragen!
Nur die Jungfrau Maria, wahre Koenigin Portugals, darf diese Krone auf ihr Haupt setzen.

Wie war das mit der Iberischen Union ? 

Die Spanier hatten durch Erbfolge einen uebersichtlichen Fleckenteppich von Laendern und Herrschaften in ganz Europa.

Der Dreissigjaehrige Krieg kostete ein Vermoegen.

Portugal und andere Teile dieses Vielvoelkerstaates wollten nicht laenger die Mitverantwortung fuer die spanische Herrschaft und Mitfinanzierung tragen.

Portugals Aussenhandel war auf ein Drittel geschrumpft.
Portugals Goldwaehrung war verschwunden, es war nur noch spanisches Silber (aus Suedamerika) im Umlauf.
Portugiesen mussten  Umsatzsteuer auf Salz, Wein und Fleisch bezahlen (sog: real de agua).
Sogar Beamte sollten ploetzlich Steuern (sog: meia anata) bezahlen:
Die Haelfte eines Jahreseinkommens bei Verbeamtung
Sogar Grossgrundbesitzern wurden die typischen Privilegien des Feudalismus abgenommen.

Offizielle Begruendung aus Madrid:
Um die Korruption zu unterdruecken, muessen ab sofort saemtliche Entscheidungen der Portugiesen von Madrid aus genehmigt werden.

Portugal kocht vor Wut, und andere spanische Gebiete sowieso:

rot : die aufstaendischen Landesteile

Der Aufstand der 30 Conjurados gelingt.
Und zwar deshalb, weil man den Miguel des Vasconcelos tatsaechlich aus dem Fenster wirft.
(Ein Spruch im Volksmund lautete, dass solange er nicht "runtergefenstert" (defenestrado) sei, Portugals Freiheit nicht wirklich bestuende)

Er war der Staatssekretaer, die rechte Hand der Statthalterin , jener sog. Vize-Koenigin in Portugal, von Haus aus bloss Neffin des Doppel-Koenigs Spanien-Portugals, Fuerstin von Mantua: Margarete von Savoyen (1589 - 1655)

Miguel de Vasconcelos hatte sich in einen Aktenschrank versteckt.
Als er sich bewegt rascheln die Papiere.
Ob man ihn tot oder lebendig aus dem Fenster schmiss,
liess sich nachher nicht mehr feststellen.
(OBRIGDO amigo Acácio Simões in O ATÓNITO)

Portugal war bis dahin mit Spanien ja bloss assoziiert.
Der Aufstand von heute hat Erfolg:
Portugal wird nicht spanische Provinz.
Portugal stellt heute seine Unabhaengigkeit wieder her !

Hals ueber Kopf fliehen saemtliche Spanier aus Portugal zurueck nach Spanien.
Ebenso packen augenblicklich saemtliche Verwaltungsangestellte in Spanien ihre Koffer und kehren in ihr neues Vaterland.
500 portugiesische Studenten in Salamanca verlassen ihre Uni.
Auch  Leute wie Manuel de Melo, Gouverneur von Ostende, ziehen es vor, so schnell wie moeglich nach England zu gelangen, um von dort zurueck nach Portugal zu segeln.
Kaum haben die Soldaten in spanischen Diensten von dem Wunder von Lissabon erfahren, marschieren sie geschlossen von dannen...

Sir Robert Sthouwell , Botschafter Englands, und offensichtlich ein intimer Kenner des portugiesischen Charakters, schreibt beschwichtigend ueber die Zukunft des aeltesten Verbuendeten Englands auf dem europaeischen Kontinent:

"Willst Du Portugal besiegt sehen, brauchst Du die Portugiesen nur sich selbst zu ueberlassen"

Leider sollte Sir Robert recht behalten.
Wenige Jahre spaeter ist unter den Portugiesen jeglicher Sinn fuer nationalen Zusammenhalt bereits verflogen. (gefunden bei SEMIRAMIS -obrigado)

 

Nachgedacht:

Wie ist Portugals Lage heute in der Europaeischen Union ?

Portugals Gewerbe und Industrie zerfaellt angesichts der Tsunami von europaeischen Filialketten, die Portugals Wirtschaftsleben ueberschwemmt und erstickt.

Portugals Aussenhandel versinkt zu Bedeutungslosigkeit, weil die Exportueberschuesse Nordeuropas zu einer Importwelle aus Drittlaendern fuehrt, ohne dass sich Portugal mit Abwertung der Landeswaehrung schuetzen kann.

Portugals Waehrung, eine durch typisch portugiesische Bilanzeigentuemlichkeiten, stets schwach und billig , wurde abgeschafft und mit einer europaeischen Waehrung ersetzt .
Der Flitter Reichtum der letzten Jahre beguenstigte jede Art von Spekulation zu Lasten wirklich produktiven Arbeitens.

Die Auflagen, Verordnungen, Vorschriften, Verbote und Foerdermittel aus Europa lassen die portugiesische Industrie und ihre unausgebildete Arbeiterschaft und Fuehrungselite zu einem Gebilde verkommen, das ohne Alimentierung aus Europa nicht lebensfaehig ist.
Forstwirtschaft mit Eukalyptus zerstoert derweil den Boden der Landwirtschaft.

Die Verschuldung des Landes und seiner Bevoelkerung ist mit der Verschuldung zu vergleichen, welche Portugal einging, um mit Jesuiten und Koenig Sebastian die boesen Nordafrikaner zu erobern.

Haben Portugiesen aus ihrer Geschichte denn rein garnichts gelernt ? 

vermutlich: Nein... 

Es wird nicht lange dauern, da werden saemtliche Ministerien und Militaers -wegen Vermeidung von Korruption- in Bruessel bestimmt.
Beim Fussball sowieso.

Portugal ist auf bestem Wege, eine Provinz Europas zu werden.
Ein Reservat fuer portugiesische Folklore.
Ein Land der Golfrasen.....
Wer was kann wandert aus.
Wer nichts kann bleibt und verkauft den Touristen Popcorn.

Anmerkung:
Der Verkauf z.B. von Popcorn an Touristen wird schon heute dem "Export" gutgeschrieben von der Regierung als "Export" bilanziert......
Fuer jeden Auslaender zahlt man der Fluggesellschaft eine Erfolgspraemie und erklaert dann oeffentlich und ungeniert, der "Export" sei wiedermal gestiegen, die Industrie Portugals erfolgreich....

Ich frage mich, wie lange sich die Portugiesen noch veraeppeln und troesten lassen.....
 


Posted by Ralf at 11:30 AM GMT
Updated: Saturday, 2 December 2006 3:04 PM GMT
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Thursday, 30 November 2006
Rauch aus Brasilien, Monsieur Nicot & die Portugiesen

Schon immer hatten die Ureinwohner Brasiliens den Genuss eines Tabaks von ganz besonderem Geschmack genossen.

Das war kein wuerzig duftender Virginia.
Das war eine Sorte, die Rundblatt Variante, bei uns Bauerntabak (nicotiana rustica) genannt, ein Kraut, das in unserer Zeit nur noch hartgesottene Russen als Machorka verkraften koennen.

Immer wenn ein Ureinwohner Brasiliens Sorgen oder Leibschmerzen hatte,  musste ein Gesundbetenheiler, port.: paje, herbeieilen und heiligen Rauch machen.

Rauch erinnerte an Wolken, an Regenmacher, an himmlische Geister und Kraefte und im Rauch lag die ganze Magie.
Der nackte gebuehrend bemalte Paje kam mit einer Tabakkugel und musste den Kranken anpusten oder die Wunden bespucken

Folglich nannten die Tupi "Brasilianer" damals ihren Tabak: petum , was Rauch bedeutet.

Fuer besondere Indikationen hatte der Paje auch immer eine bunte Sortenvielfalt an Pfeifen einstecken, die er auf Wunsch rauchte: 

links ein Phallus - rechts eine Weibsfigur Pfeife
(Quelle) 

Der Genuss (und die Folgen) von  Petum waren bald auch bei den Portugiesen bekannt und beliebt.

Der Sekretaer der Inquisition, ein Jesuit namens Fernão Cardim (1549 - 1625), muss ueber das Petum-rauchen berichten:

...sogar die Portugiesen vergessen sich seinetwegen und liegen Tag und Nacht in den Seilen und trinken den Rauch und betrinken sich damit als waere es Wein.....
 
Das muss man sich mal vorstellen:
Die Ureinwohner arbeiten nur solange es unbedingt noetig ist und die Portugiesen sind auch nicht zum Selber Schuften nach Brasilien gekommen.
 
Der portugiesische Koenig João III. (1502 - 1557) hatte von Volkswirtschaft keinen Schimmer einer Ahnung und sonnte sich in der Einbildung, der liebe Gott wuerde einem Portugiesen die Arbeit schon erledigen.

Er vergab daher bloss erbliche Lehen an verdiente Heerfuehrer seiner Verwaltung und diese wiederum glaubten, von nun an als unumschraekter Herrscher (nur verstuemmeln oder toeten durften sie als Richter nicht) und sorglos wie im Schlaraffenland leben zu koennen.
Alles was sie taten:
sie vergaben gegen Bares vererbliche Kapitanate (Unter-lehen) , und diese wieder ...
 
Die einzigen, die wirklich produktiv mit Verstand und Muehsal arbeiteten waren Jesuiten und vor der Inquisition geflohene Juden.
(Deutsche Jesuiten liessen Musikkapellen spielen, das gefiel den Einheimischen und sie erschienen freiwillig zur Arbeit)
 
Bester Exportartikel war (damals noch nur) Brasil-Holz, das man in Europa zum Faerben brauchte und teuer bezahlte.

Die Landkarte Brasiliens mit den "Donatarios" (Lehen) sah folgendermassen aus:

links der Name des Landes - rechts der Name des Inhabers
 
Wir schauen auf Pero de Gois, donatario de SAO TOME !
Weil er einen Bruder hat, den Luis de Gois.

Und weil er einen verzweifelten Brief an Koenig Joao III. schickt, in welchem er eindringlich warnt, dass wenn nicht bald etwas geschieht, die Kolonie von Franzosen erobert werden wuerde und ganz Brasilien verloren ginge.....

Dem Sachverstand dieser Brueder hat Portugal viel zu danken.....
Neben Zuckerrohr werden auch Pflanzen wie Tabak als Exportware ernsthaft in Erwaegung gezogen.......

Luis kommt mit Tabaksamen nach Lissabon und ruehrt gehoerig die Werbetrommel.
Tabaktee und Tabakrauchen sollen Wunder wirken.

Tatsaechlich wuerde jeder Ureinwohner Brasiliens schwoeren, dass ihm der Rauch geholfen hat.
Ein aufmerksamer Beobachter, wie ich es bei den Gebruedern Gois unterstelle, wird jedoch nicht uebersehen haben, dass in Brasilien dem Tabakgenuss eine laengere Zeit des Fastens folgte !!

Der Tabak war nur Brimborium.....

Was den Verkaeufern in Portugal fehlt ist noch ein Werbetraeger, der letzte Durchbruch !

Zum Glueck weilt Botschafter Jean Nicot (1530 - 1604) gerade in Lissabon, um dem (Enkel von João III.) Koenig der Grossmacht Portugal die kleine Tochter aus Frankreich als Eheweib zu empfehlen...doch Sebastian ist schwul und zeigt keine grosse Lust....

Jean Nicot
 
Als guter Diplomat griff er den Tabakverkaeufern ein bisschen unter die Arme.
Seine Lieblingsbeschaeftigung war ohnehin das Archivieren, Katalogisieren und als er den Tabak wohl als Heilpflanze mit Wunderwirkungen einstufte, und sich die Koenigin Frankreichs dazu hinreissen liess, den Tee aus Tabak als Mittelchen gegen ihre Migraene zu preisen, da kann man sich denken wie sich alle freuten.....
 
Zwar heiratete die kleine Franzoesin nicht den tripper-kranken Koenig Portugals, den Sebastian, aber der Preis fuer Tabak erreichte bald den hundertfachen Wert des Pfeffers.... 

Die Freude kann groesser nicht gewesen sein !
(und Monsieur Nicot wird Namensgeber)

Der einzige, der den Schwindel durchschaute, war Jakob I., der James VI u. I. (1566 - 1625) von England, und wagte die Heilwirkung von Tabak zu bezweifeln.....

Dass es den Portugiesen garnicht um die Heilwirkung ging, sondern nur um die Suchtwirkung, die den Suechtigen zum Nachkauf von weiteren Tabakpflanzen zwingt -und die Kolonie betriebswirtschaftlich regierbar macht-  also eine garantierte Nachfrage darstellt, haben viele Portugiesen bis heute nicht begriffen bzw. erst viele Jahre spaeter festgestellt.

Portugal war 1891 derart vermoegenslos, bankrott und am Boden, dass zur Finanzierung weiterer Kredite vonseiten Englands (der Barings Bank) von João de Sousa das Tabakmonopol in die Waagschale gelegt, als Kreditsicherung angeboten wurde.

Auf 35 Jahre -bis 1926 (wenn es 1910 die Revolution nicht gegeben haette)- sollten die ungeschuetzten Portugiesen der Droge Tabak ausgeliefert werden, um den Staatshaushalt und die ruinoes sozialistisch katholische Politik der Verantwortlichen zu finanzieren.

Gerne gibt jeder Kreditgeber bei solchen blendenden Garantien bereitwilligst sein Darlehn......

Darum gehoert Rauchen -angeblich- zur lusitanischen Lebenskultur......

Die aktuelle Regierung Portugals ziert sich noch mit einem generellen Rauchenverbot wie in anderen Laendern, -man kann sich denken weshalb- aber was soll´s ?
.....heute hat man andere, viel interessantere Drogen zur Hand, und eine ausgekluegelte Werbemaschinerie.
Die schlimmste von allen Drogen ist die Eitelkeit und Gier der Menschen und in Portugal sogar der von vielen eingebildete und verteidigte "Rechtsanspruch" auf Kredit.....

Geradewegs gegen den Eisberg !

Posted by Ralf at 7:07 PM GMT
Updated: Thursday, 30 November 2006 9:46 PM GMT
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Tuesday, 28 November 2006
Eine Infantin aus Spanien macht aus Fusssoldaten Infanterie

Es war einmal ein Kind.
Weil ein Kind "nicht sprechend" also "infans" in die Welt geboren wird, was besonders Spaniern und Portugiesen bemerkenswert erscheint,  heisst Kindergarten "infantário", kindlich "infantil" und um einem wohlgeborenen Sproessling Respekt zu bekunden, um ihn nicht "criança" ("Kind" - genaugenommen deutsch etwa: Wachstumling) wie alle anderen zu rufen,  nannte man alsbald ein Kind koeniglicher Abstammung : Infante oder Infanta

So kam es, dass man die kleine Isabella Clara Eugénia von Habsburg (1566 - 1633) stets -als waere es ein Kosename- mit Infanta ansprach.

Peter Paul Rubens:  Infantin Isabella
im NORTON SIMON MUSEUM

erstaunlich, dass diesem Frauenzimmer zu Ehren noch heute arme Landsknechte in Kriege ziehen und sich stolz

Soeldner des Kindes  "Soldaten der Infanterie"

nennen.

Wer´s nicht glaubt, muss lesen die JAEGERSEITEN 


Posted by Ralf at 12:08 PM GMT
Updated: Tuesday, 28 November 2006 1:13 PM GMT
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Monday, 27 November 2006
Weltreich, Palaeste und Kirchen aber kein Wasser in Lissabon

Nirgends lassen sich immer aktuelle Streitfragen besser anschaulich darstellen als mit Beispielen aus Portugal und seiner Kultur- und Rechtsgeschichte.

Beispiel:
Das Trinkwasser in Lissabon

Koenig João V. , der Sonnenkoenig Portugals, beschaeftigt 50.000 Arbeiter, um einen vollkommen unsinnigen Palast in Mafra zu bauen.

Auch fuer Kirchen, Kloester und Konvente mit unvorstellbarem Prunk in allen Details...fuer dergleichen ist mehr als genuegend Kapital vorhanden.

Mit dem Gold Brasiliens finanzieren Adel & Pfaffen sich ein Leben sorglos wie Maden im Speck !

Aber in Lissabon muss sich das Volk um das wenige Trinkwasser pruegeln.
Es heisst im Volksmund:

man geht Wasser holen
und kommt mit Blut zurueck

Wasser hat in Lissabon schon zu Zeiten der Roemer gefehlt.
Der Tejo, nach 875km Lauf, ist vor Lissabon bereits mit Meerwasser vermengt und salzig.
Zwar finden sich im engeren Stadtbild Quellen, sogar mit Wassern, die bis zu 27º warm sind, aber eine Belagerung und Verteidigung Lissabons haengt an der Frage, wie lange das Trinkwasser reicht und wann die ersten Seuchen (oft irrtuemlich "peste" genannt) ausbrechen.
 
Im III. Jahrhundert erbauen die Roemer eine Wasserleitung, welche aus Sintra, genaugenommen aus Belas,  frisches und freies (fuer jedermann erhaeltlich) Trinkwasser nach Lissabon bringt.

Doch die Roemer und ihr Wirtschaftssystem, durch Goldverschwendung und ausbleibender Goldproduktion in Portugal und anderswo -trotz modernster BergbauTechnik-  erkranken an den Folgen der daraufhin eintretenden Deflation, die Wasserleitungen sind bald "zu teuer".

Die Araber bauen zwar Wasserleitungen in Portugal allenthalben aber in Lissabon sehen sie keine Notwendigkeit.
Sie werden dieses Versaeumnis anlaesslich ihrer Niederlage im Jahr 1147, als sie von christlichen Heeren belagert werden und wegen Wassermangels nicht laenger standhalten koennen, sicherlich bereut haben.
 
Kirche, Ritterorden, Politiker und auslaendische Handelshaeuser in Lissabon scheren sich aber auch nicht um das gesundheitliche Wohl, die Sauberkeit, die Reinheit ihrer Untertanen oder Schutzbefohlenen  oder Arbeiter, die Reichen haben ihr Haus neben ihren eigenen Brunnen.
Anmerkung: DieTrinkwasserversorgung bleibt privatisiert -wie wir heute sagen wuerden.
 
Erst Francisco de Hollanda (1517 - 1585) - port.: d´Ollanda-  erinnert die Portugiesen daran, woran Gott dachte, als Er die Welt erschuf.

Francisco de Holanda als Maler und Autor wird der Wortfuehrer und Bildner der Renaissance in Portugal:

Francisco d´Ollanda:
"diese Seite enthaelt die Erschaffung der Fische der Meere und
der Voegel des Himmels  und den Segen des Glaubens an ihre Vermehrung"
Quelle 

Ueber den himmelschreienden Zustand der Trinkwasserversorgung laestert Francisco de Hollanda in seiner Schrift: Ueber das Fleisswerk, an dem Lissabon Mangel hat (org.: da fábrica que falece a Cidade de Lisboa) im Jahr 1571 spoettisch:

"wo alle Wasser trinken hat es nicht mehr als ein Rinnsal fuer soviele Leute und ein anderes fuer Pferde.....man muss freies Wasser nach Lissabon bringen wie die Roemer bis zwei Meilen an die Stadt es holten mit unterirdischen Kanaelen, die viele Berge durchbohren und mit viel Aufwand und Arbeit"

Aber die Renaissance findet in Portugal nicht statt.
Kirche und Adel sitzen fest im Sattel.
Was braucht das Volk auch Wasser  ?

Was machen die Waschweiber von Lissabon, im Stadtteil Alfama ?
(uebrigens nebenher zur Abendzeit und nachts den Beruf einer Liebesdienerin ausfuehrend , was man heute dort noch antrifft, wenn man bei VW im Vorstand sitzt)

Sie schlagen Loecher in die Stadtmauern, um vor den Stadttoren  in Baechen die Waesche zu waschen:

man sieht die Loecher noch heute

Erst etwa 1.200 Jahre nach den Romern, naemlich im Jahr 1748 fliesst in Lissabon erstmals wieder Wasser aus einem Brunnen !

Brunnen Chafariz da Esperança ("Brunnen der Hoffnung")
Zeichnung von Carlos Mardel , 1752 


Das Volk ist dennoch maechtig stolz !
Freiwillig hat man Steuern auf Fleisch, Wein und Olivenoel bezahlt.
Das Volk sagt zurecht: Das haben wir und nicht der Koenig geschaffen.
 
Marques de Pombal, der wenige Jahre spaeter nach dem Erdbeben 1755 fuer Recht und Ordnung sorgen will, und Respekt vor der Autoritaet des Koenigs benoetigt, seiner eigenen naemlich im Namen des Koenigs, laesst deshalb rigoros die Gedenktafeln abreissen und neue anbringen.

"Der Koenig hat allergnaedigst diese Wasserleitung erbaut"
(Das allerdings konnte man nicht behaupten ! )

Doch noch immer war es nicht einfach, als Normalbuerger, Otto Normalverbraucher, an sein taegliches Wasser zu gelangen.
Bald haben galicische Einwanderer das Wassertragen und Wasserverkaufen als Geschaefstaetigkeit und die Stadtverwaltung die Lizenzen dafuer, die Vergabe von behoerdlichen Plaketten etc. als Einnahmequelle entdeckt.

Aguadeiro (Wasserverkaeufer) mit Plakette

 In den Jahren 1836 bis 1841 machte ein Serienmoerder die Stadt unsicher ! Er hatte sich einen Dietrich, also einen Zweitschluessel besorgen koennen und sich nachts in den weitlaeufigen Gaengen und Gewoelben versteckt.
Bald hatte man 76 Mordopfer zu beklagen !

Als der Taeter, ein gewisser Diogo Alves endlich gefasst war, vollstreckte der Henker an ihm 1841 das letzte Todesurteil durch Erhaengen der bisherigen Geschichte Portugals.

Die Aerzte jauchzten vor Freude !
Man wollte den Kopf des Serienkillers auf etwaige Auffaelligkeiten hin untersuchen, um wie Scotland Yard in unseren Tagen, kuenftige Taeterprofile zu erstellen.

Leider hat der Kopf von Diogo sein Geheimnis noch nicht gelueftet

Kopf von Diogo Alves (wie er heute aussieht)
 
 
Wie und womit laesst sich die Situation der taeglichen Trinkwasserversorgung in einem Weltreich, wo die Kirche herrscht und die Mutter Gottes erschien,  mit wenig Aufwand am besten beschreiben ?
 

"Va p´ra bicha que agora é a minha vez"
Stell Dich in die Viecherschlange, denn jetzt ist die Reihe an mir ! 
 
Touristen sehen nur die Palaeste, die Sonne, die Museen !
Die Not und Hilfslosigkeit der armseligen Portugiesen sehen sie nicht ! 
 
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Obrigado den Schuelern  der Schule in Ramada
Aqueduto das Águas Livres

Posted by Ralf at 5:12 PM GMT
Updated: Tuesday, 28 November 2006 10:55 AM GMT
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Saturday, 25 November 2006
Luisa Todi - Eine Portugiesin singt mezzosopran und Europa ist begeistert

Es sind schon ueber 250 Jahre her.

Eine Portugiesin wird in Setubal, jener phoenizischen Stadtgruendung zu Ehren des Gottes Bal (vgl. "Hannibal") als Tochter eines musikkundigen und schriftgelehrten Kopisten geboren.

Der Vater zieht nach Lissabon und nimmt seine Familie mit.
Alle seine vier Toechter zeigen eine Begabung fuer die Schauspielerei, treten auf in Molièr Lustspielen und eine seiner Toechter kann sogar gut singen

Luisa Rosa de Aguiar Todi (1753 - 1833)

In Portugal, besonders katastrophal in Lissabon, hat ein Erdbeben 1755 nicht nur Menschenleben gefordert, sondern den Glauben an Gut und Boese erschuettert.

Beinahe waere Portugal, durch die Weisheit, Staerke und Weitsicht seines Regierungschefs Marques de Pombal ein moderner Staat geworden.

Aber mit Beginn der Amtszeit von Koenigin Maria I. (1734 - 1816)  faellt Portugal wieder zurueck in katholische Finsternis und Rueckstaendigkeit.
Das Gold, das man seit 1711 in Brasilien gewinnt, gestattet eine vollstaendige Missachtung der Regeln und Gesetzmaessigkeiten von Soll & Haben, von Vernunft & Gewissen.

Fuer Musiker in Portugal bedeutete diese Politik gleichwohl eine goldene Zeit.
Um die Kirchen zu fuellen, spielt man nun Musik auf und singt schoene Lieder.
Dafuer liessen die beiden portugiesischen Koenige -auch Marias Mann war einer-  die besten Musiker Europas, vornehmlich Italiens, ins Land kommen.

Luisa bekam somit den besten Musiklehrer und erhielt Gesangsunterricht.

Ihr Lehrer war ein europaweit hochgeruehmter Komponist aus Neapel -wenngleich spanischer Abstamung-, welcher noch heute fuer seine Kirchenmusik bekannt ist, insbesondere zu Trauer Anlaessen, aber auch -wie Mozart- die damalige Mode mitmachte und Opern schrieb, womit Europa sich die voruebergegangene Angst vor Tuerken, Allah und Muslime teils spottend, teils ehrfuerchtig von der Seele spuelte.
Beispiel Solimano (1768).
Von seinen 38 Opern hat David Perez 14 Opern fuer Lissabon geschrieben....
(Niemand in Lissabon haelt es fuer noetig, sich um solche "Attraktionen" zum Ruhme und zur Ehre aller Portugiesen oder zum Wohlgefallen auslaendischer Bildungsreisender zu kuemmern, ich wage sogar die Behauptung: Keiner der Tourismus Autoritaeten hier hat persoenlich irgendwelche kulturellen Interessen oder Ahnung, was ausser Golf & Algarve noch von Interesse sein koennte !)

David Perez (1711 - 1778)

Und es wundert nicht, dass David -Musikdirektor der koeniglichen Hofkapelle in Porto-  einem Landsmann aus seiner Heimatstadt, der im koeniglichen und bischoeflichen Orchester die erste Geige spielt, diese portugiesische Menina (port.: Fraeulein) vorstellt.

Luisa heiratet 1769 den Francisco Xavier Todi und -wie es noch heute im Namensrecht Portugals ueblich ist- haengt den Namen des Gatten ihrem hintendran. 

Luisa unternimmt Reisen in die Metropoelen ganz Europas, wird huldigst empfangen von Koenigen und Aristokraten, der 20 jaehrige Beethoven hoert sie in Bonn, die Zarin Russlands Katharina II., entzueckt, schenkt ihr wertvollen Schmuck, und Vendig im Toditaumel erklaert das Jahr 1790/1791 gleich zum Ano Todi.

Gertrud Elisabeth Mara (1749 - 1833), die beruehmteste Saengerin Deutschlands, kocht vor Wut und Eifersucht.

Aber die Mara war eine Sopranistin !
Und die Todi sang mezzosopran !
Man kann diese beiden Stimmlagen nicht miteinander vergleichen !

Das rauchig-seiden-traurige Timbre einer portugiesischen Frauenstimme koennen meine werten Leser vielleicht einmal in Fadogesaengen kennenlernen.

Man stelle sich Luisa Todi vor, wie sie auf der Buehne das (schuldbewusste) Klagen der Koenigin Dido  , in heisser Liebe zu Aeneas erglueht, den sie in einer finsteren Hoehle liebeshungrig vergewaltigt hat und nun, da er weiss, dass sie einen Treueschwur als Witwe vor den Goettern gebrochen hat,  sein sofortiges Verlassen erleben muss...wie sie diesen tragischen Stoff (eben wie eine Fadosaengerin ) mit schoener kehlschlundtiefer grubendunkler Stimme dramatisiert !!

Die Zuhoerer in ganz Europa muessen wahnsinnig geworden sein vor Begeisterung (wie zur Beatle-Mania in unserer Zeit)

Didone Abbandonata (die verlassene Dido) von Librettist Pietro Metastasio (1698 - 1782) wird einer ihrer groessten Erfolge.
Anmerkung: Leider haben etwa zehn Musiker diesen Text vertont, so dass ich nicht herausfinden konnte, wessen Fassung die Toldi sang....

Als Luisa Todi zurueck nach Portugal kommt und in Porto Unterricht erteilt, so erzaehlt man, verlor sie bei der Flucht vor Napoleons Truppen all ihren Schmuck, den ihr Zarin Katharina einst geschenkt hatte, wurde aber von den Franzosen, die sie erkannten, ansonsten unbehelligt gelassen.

Luisa erkrankte an einer Augenkrankheit und erblindete.
Sie verstarb  im Jahr 1833.

Sie liegt begraben in Lissabon im ehemaligen Friedhof der ehemaligen Kirche der Encarnação.
Die beruehmteste Saengerin der Welt (zu ihrer Zeit) liegt dort heute noch immer und zwar unter dem Kopfsteinpflaster der Strasse Rua do Alecrim

In Porto steht neuerdings eine Casa da Musica.
Oder besuchen wir die Web Seite ihrer Heimatstadt Setubal 

Erinnert sich ein Portugiese an Luisa Todi ?

Und die musikalischen Talente Portugals von heute singen in Fernsehshows, weil man ihnen dafuer keine Ausbildung zu geben braucht....

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Hoeren wir in Erinnerung an Luise Todi :

Mon Coeur s´ouvre a ta voix (Saint-Saens)
gesungen von Shirley Verrett  

o sorry, out of order.....

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Veja tambem:
Luisa Todi  im Blog Guilhermina Suggia


Posted by Ralf at 3:41 PM GMT
Updated: Sunday, 16 September 2007 11:09 PM BST
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Wednesday, 22 November 2006
Espelho de Portugal & Braganza Diamant - Die verschwundenen Kronjuwelen Portugals

Beginnen wir die Erzaehlung mit erstgenanntem. 

Es war einmal ein Diamant, hell und klar wie das Wasser, von unbekannter Herkunft, vermutlich aus dem fernen Indien, ein Baguette Schliff, von 30 Cilat Groesse, nie hatte die Welt einen groesseren Klunker gesehen.

Dieser riesige Diamant -genannt ESPELHO DE PORTUGAL (sprich: espeljo) zu deutsch: Der Spiegel aus Portugal - war verstaendlicherweise im Lauf der europaeischen Geschichte bei den Reichen und Maechtigen auesserst beliebt und begehrt und wurde auch von deren Kreditgebern stets mit besonderer Vorfreude ins Visier genommen.

Der Stein sah etwa vielleicht so aus:

Phantom Nachbildung angefertigt vom Juwelier Germain Bapst (1889)

Traegt ihn hier Karl der Kuehne (1433 - 1477) rechts auf der Schulter eingearbeitet in eine Schnalle?

Karl der Kuehne
Gemaelde von Peter Paul Rubens, 1618 (!!)
 
Karl der Kuehne hatte eine portugiesische Mutter, die blitzgescheite Isabella von Portugal (1397 - 1471) , wie ueberhaupt die ganze Koenigsfamilie aus Burgund stammte, und da koennte es tatsaechlich so abgelaufen sein, dass Karl diesen Klunker dem Stammhalter der Portugallinie und Thronfolger Portugals, dem zweijaehrigen Thronfolger, dem spaeteren Koenig Manuel I (1469 - 1521) vermachte, weil dieser auch sein Neffe war.
Nachweislich hinterliess er dem Manuel zumindest ein Schmuckstueck.

Und dieser Manuel I. hatte eine bildhuebsche Tochter, welche auf den Namen ihrer Oma getauft war !

Gemaelde von Tizian

Und Vater Manuel I. hatte einen Traum:
Portugal uebernimmt Spanien durch Ehevertrag.
Also bekam Toechterlein zu ihrer Schoenheit das (damals) groesste Juwel der Welt genau zwischen ihren beiden Bruesten anhaengt.....die Botschaft wurde verstanden und die Hochzeit war perfekt !

Und Isabella gebar eine Tochter, namens (auf deutsch) Johanna von Habsburg
(Anmerkung: Die Portugiesen sagen genauuebersetzt: gab ans Licht eine Tochter - romantisch, nicht wahr ?)

Joan de Habsburgo (1535 - 1573)
Gemaelde von Cristovão de Morais (1551 - 1511)
 
Deutlich sehen wir den Klunker im Haar prangen !
Im Haar ueberm linken Ohr, welch ein understatement......

Sie heiratet den Thronfolger von Portugal !
Johann Manuel (1537 - 1554) , so heisst der pubertierende Jugendliche, der mit ihr -und selbst erst 15 Jahre alt- seinen Thronfolger zeugt.
Die Geburt erlebt er nicht mehr, wenige Tage zuvor verstirbt der Vater.

Der Sohn und Thronerbe wird jener Sebastian sein, den alle Welt in Portugal wegen der Angst dem gehassten Nachbarn Spanien anheimzufallen herbeigesehnt hat, welcher von Jesuiten zu religioesen Wahnvorstellungen und von seinem Beichvater schon als Kind sexuell missbraucht wird, zehnjaehrig an Tripper erkrankt und sein Land Portugal ins Unglueck stuerzt in einer katastrophalen militaerischen Niederlage in Nordafrika,...... und seither verschollen ist.
 
Es geschah hiernach das Unvermeidliche.
 
Als Nachfolger meldet der spanische Grossvater, Koenig Philipp II, seine Ansprueche an und setzt sie mit Waffengewalt auch erfolgreich durch.
Philipp II. (Spanien) macht sich zugleich zum Philipp I. (Portugal)

Doch gibts darueber im Volk grosstes Missfallen.
Da denkt sich Dom Antonio (1531 - 1595), Prior von Crato (weil er eigentlich im Malteserorden Karriere machen wollte) seine Stunde sei gekommen und laesst sich zum Koenig ausrufen.
Philipp macht kurze Zeit spaeter diesem (unberechtigten) Spuk ein Portugal in gewaltsames Ende und Portugal hoert auf, eigenstaendig zu existieren.

D. Antonio hat gerade noch Zeit den Klunker in seine Tasche zu stecken und nach England abzulegen.
Dort bittet er Koenigin Elisabeth I. um Hilfe.
 
In London lebten -im geheimen, weil´s fuer sie noch verboten war- viele Juden aus Portugal, Fachleute mit Sachverstand, Fluechtlinge der Inquisition und womit konnte Dom Antonio einen Freibeuter wie Francis Drake und eine Frau wie Elisabeth I. zu einer Eroberungsfahrt der englischen Flotte zu seinen Gunsten und zur Befreiiung Portugals wohl am einleuchtensten ueberzeugen ?

Das Unterfangen geht schief, Portugal bleibt spanisch aber der Klunker ist weg aus D. Antonios Hosentasche.
 
Der Riesenklunker befindet sich naemlich von nun an in der englischen Krone.
Ab sofort heisst er offiziell:
O ESPELHO DE PORTUGAL - Der Spiegel aus Portugal

Er macht sich viele Jahre spaeter noch immer gut in der Krone von Henrietta Maria (1609 - 1669) , aus Frankreich stammt sie, katholisch ist sie, aber sie hat Carlos I. geheiratet und darf sich Koenigin von England, Schottland und Irland nennen und sich an dem Klunker erfreuen.

Krone von Henrietta Maria (aka Henriqueta Maria)
Zeichnung von Thomas Cletcher
 
Aber es geschieht etwas fuer Frauenherzen wirklich unglaublich schreckliches.
Henrietta muss in ihrer Heimat um Waffenhilfe fuer ihren Mann betteln und versetzt 1644  ihren  sicherlich heissgeliebten Lieblingsklunker.
 
So kommt der Stein wieder nach Frankreich und zwar in die persoenlichen Haende von Kardinal-Premier Jules Mazarin (1602 - 1661), Regierungschef bei Ludwig dem XIV, dem Sonnenkoenig.
Als der treue Untertan im Jahr 1661 verstirbt, vermacht er den Klunker dem franzoesischen Koenigshaus -nicht etwa der Kirche....

Darueber freut sich Maria Theresia von Spanien (1638 - 1683) , denn eigentlich war sie -und ihr Spanien- finanziell ueberhaupt nicht in der Lage, die vereinbarte Mitgift zu bezahlen, Spanien keine Weltmacht mehr......
Der alte Fuchs Mazarin hatte da -wie wir wissen- seine Haende im Spiel....und hatte -wie ich vermute- diesen Klunker als Joker. aus dem Aermel gezogen.....und so kann ich mir denken, wie der deal mit Ludwig aussah....

Eines Ttages also prangt der Klunker bei Majestaet ganz oben im Haarbau:

Maria Theresia von Spanien -
in Portugal/Spanien: Maria Teresa da Austria genannt
Gemaelde (Ausschnitt) von Pierre Mignard

Und so bleibt der Stein in Frankreich.

Ludwig XV. (1710 - 1774), der Vielgeliebte, traegt ihn bereits als Knabe in seinem Halsband, das mich an ein pompoeses Kropfband erinnert.

Ludwig XV.
Gemaelde von Hiacynthe Rigaud

1795 ist Frankreich pleite !

Der Stein wird an die Tuerkei verkauft !

Und wo ist er heute ?
Das ist noch immer die Frage !

Es gibt einen Stein, mit ungeloestem Aktenzeichen, in der Smithsonian Collection in den USA:

 
Aber das ist kein Baguette, das ist er nicht - zumindest nicht wie er war  !
 
Ach ja, der Braganza Diamant !?
Das ist eine andere (Blog-) Geschichte.
Denn der war hart und schoen, besonders das (in England erfundene) Bleiglas, welches in Schmelze und in erstarrtem Zustand "weicher" ist, und sich deshalb besser gravieren und schleifen laesst, liess sich mit ihm beeindruckend leicht ritzen.....
 
Doch es war trotzdem bloss ein Topas !
Welch ein peinlicher Irrtum der Koenige Portugals !
Oder ein vorsaetzlicher Kreditbetrug, so ne Art Bilanzluege ?

Das erzaehle ich ein andermal.
 
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Posted by Ralf at 6:51 PM GMT
Updated: Thursday, 23 November 2006 2:35 PM GMT
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Sunday, 19 November 2006
Musica Ladina in der Synagoge zu Porto (Aufnahme v. 11.10.2001)

 


 

Yahli Toren , geboren 1971 in Haifa, ausgebildet in Jerusalem und Berlin, singt Musik in Ladino, jener Sprache der sephardischen Juden.

Ladino wird oft mit den sonstigen "lateinischen" Sprachen verwechselt, obwohl sie eine ureigene sephardische Sprache ist.

Tobias Rueger ergaenzt ihren Vortrag mit dem rauhen Klang des Saxofon:

Tradition und Modernidade

(Anmerkung: Diesen excellenten Titel hat Tobbi aber gut gewaehlt ....) 

 


Posted by Ralf at 8:36 PM GMT
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Friday, 17 November 2006
Schweizer Opernsaengerin wird "Koenigin" Portugals im Jahr 1869

Eigentlich war der in Oesterreich geborene Ferdinand von Sachsen-Coburg und Gotha (1816 - 1885) nur die 3. Wahl.

Aber weil Maria II (1819 - 1853) als Koenigin  Portugals das Kinderkriegen als ihre Pflicht ansah, heiratete sie eben nach zwei erfolglosen Ehen diesen Ferdi.
Seine Mutter, eine Kohari, war bekanntermassen steinreich.

Und fleissig war er , fuerwahr !
Die Aerzte warnten die Koenigin, dass ihre alljaehrlichen Geburten ihrer Gesundheit ernsthaft schaden wuerden, aber was soll´s, sie gab trotzig zur Antwort:
"Dann sterbe ich eben auf meinem Posten".

Das tat sie bei der Geburt ihres 11. Kindes.
Im Jahr 1853, und erst 34 Jahre jung.

Zurueckblieb ihr Ferdi, der ja nur Prinzgemahl war, obwohl er sich Koenig nennen durfte, dank seines Erfolges, einen Thronfolger gezeugt zu haben.

Statt sein Land zu regieren (d.h. als Regent fuer seinen minderjaehrigen Sohn, den Thronerben) beschaeftigte sich Ferdinand mit Kunst !
Und mit den huebschen jungen Kuenstlerinnen, versteht sich....

Eines Tages sieht Ferdinand auf der Buehne, vermutlich in Porto, eine kecke Schweizerin und hoert , wie sie mit reizender Sopranstimme die Rolle des Oscar in der Verdi Oper Der Maskenball singt .......und ist hingerissen.

Elise Hensler (1836 - 1929)
Quelle

Elise stammt aus La Chaux-de-Fonds (Schweiz) hat schon die Mailaender Scala gesehen, tritt mit einer Truppe auf, die sich Laneuville nennt, und ihren Musiklehrer, den Polen Gustavo Romanoff Salvini (1825 - 1858) hat sie gleich mit nach Portugal mitgebracht.

Ferdinand liebestrunken (und was besseres kann er garnicht) stoert das nicht, er zeugt sofort eine Tochter, die Alice (1855 - 1941) und will nur noch Spass & Lust & Freude.

Der Name "Ferdinand" heisst entweder "fardi" (Reise) "nand" (bereit)
oder der Name kommt von "firthu" (Frieden) "nands" (mutig)
Aber Ferdinand will weder das eine noch das andere.

Mit seiner Opernsaengerin will er in seiner -mit eigenem ererbten Privatgeld errichteten-  Disneyland Kitschburg Palacio Pena hausen und die Flora drumherum -einzigartig wegen des eigentuemlichen Klimas in Sintra- fuer seine Maerchentraeumereien....... zu einem Maerchenwald ausbauen.

Castelo da Pena
(erbaut von dem Bergwerks Ingenieur Herzog von Eschwege)
Schoene Fotoaufnahmen : HIER

Ueber Sintra hat schon einst Plinius der Aeltere geschwaermt:
"Eine Mondlandschaft"

Auch Lord Byron war begeistert und entzueckt.

Der Name ist zurecht gewaehlt:
Sintra ist ein Name aus der griechischen Mythologie

Cynthia:
Halb-Goettin der Jagd, des Mondes, des Waldes.

Um Elisa Hensler heiraten zu koennen, obwohl die Portugiesen protestieren und solch eine morganatische Ehe ablehnen -vollkommen zurecht- laesst er seinen Verwandten, den Opernfreund Ernst II. (1818 - 1893) die Strippen ziehen, und so wird aus der Opernsaengerin Elise am Hochzeitstag im Jahre 1869 die Condessa d´Edla, Elise Graefin von Edla.


Richtig echt, wie im Theater auf der Buehne !

Was noch fehlt.....ein Wappen mit Grafenkrone und Unterschrift:

Quelle 

Die beiden Turteltaeubchen bauen sich sogleich ein Nest.

Ein "Chalet"  mitten im Wald soll es sein, mit viel Holz nach Nordamerika-Stil und tromp l´oeil Bemalung drinnen, mit viel Kork, dem Kunststoff von damals, wie eine Studio Pappfassade, eben wie es eine Schauspielerin/Fernsehansagerin richtig heimelig schoen findet, wenn man von ihr verlangt, Koenigin bzw. First Lady einer Weltmacht zu sein.

Chalet da Condessa
verwahrlost, als Satanskult-Treff genutzt, inzwischen abgebrannt

(obrigado Fernando Morais Gomes)
neue Fotos aus Februar ´07 hier:
Alagablogue

Anmerkung: Die RTLStudios in Portugal haetten gern den Aufbau finanziert, um die Kulisse fuer eine neue reality show zu bekommen......
Die Denkmalverwaltung hat aber -lobeswuerdig- : não gesagt.

Koenig Ferdinand und seine Opernsaengerin lassen jetzt aus aller Welt, aus Australien, Japan, Brasilien, Lybien die seltensten Pflanzen und Plaene, Entwuerfe des verstorbenen Gartenbaukuenstlers Peter Joseph Lenné (1789 - 1866) aus Deutschland kommen.

Was noch fehlt ist ein richtiger Maerchenwald wie im Bilderbuch, naemlich ein Farnkrautgarten.
Auch bald fertig und schoen wild geworden:

Feteira (Farnkrautgarten) da Condessa

Hier ist Ferdi gluecklich.
Die Krone Spaniens, die man ihm antraegt, lehnt er dankend ab.

 
Portugal versinkt derweil im Chaos !
Die Regierung wechselt -so sieht es die  Verfassung vor-  regelmaessig, jeder wer will, darf auch mal an die Honigtoepfe.
Die Kirchengueter hat man verstaatlicht, die Party dauert, bis in wenigen Jjahren das ganze Geld verjubelt und bis zur Obergrenze Hypothek die Sachwerte des Staates verpfaendet sind.
Noch ist es nicht soweit, wer turnusmaessig an den Schalthebeln sitzt raubt dem Land was er zu fassen kriegt.

Sieht so ein tatkraeftiger Koenig , Schutzherr seiner Untertanen, aus ?
Jemand, der das nahende Unheil, den Staatsbankrott,  erkennt und abzuwenden vermag ?

Buch von Teresa Rebelo

Nein, so sieht ein netter Onkel von nebenan aus, brav, bieder und vielleicht Vorstand des doerflichen Kulturvereins e.V., welcher den Poebel daran hindert, aus den roemischen Ruinen der Tempel in Evora Steine zu klauen oder in Alcobaça ehrwuerdige Koenigsgraeber zu schaenden.
Und nagt ein begabter Kuenstler am Hungertuch, zahlt Ferdinand aus seiner Pivatschatulle ein Stipendium.
Aber Ferdinand ist kein Staatsmann, kein Pombal, und kein Salazar.

Er ist "o rei artista". (Was sich auch als Koenig Hampelmann uebersetzen laesst).

Als Ferdinand stirbt erbt die Opersaengerin das ganze Privateigentum allein.
Jetzt reisst sogar den geduldigen Portugiesen der Geduldsfaden.
 
Die Opernsaengerin muss den Palast Pena und den Maerchenwald dem Staat Portugal verkaufen.
 
Die Portugiesen koennen und muessen einem leid tun.
Mit solchen Vorbildern laesst sich kein Staat machen.

Andere Laender haben mit ihren Koenigshaeusern zwar auch Pech.
Dort gibt es aber eine "CITY".
 
Solch eine "CITY" hatte Portugal auch einst, verdankt ihr Seefahrt, Welthandel und Ruhm und Ehre, aber die Inquisition hat ihr erfolgreich den Garaus gemacht........ 

 

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Nachtrag:

Henrique Salles da Fonseca hat ein Buch von Marion Ehrhard ueber diesen Ferdinand II. mit Interesse gelesen :
Lido com interesse

 


Posted by Ralf at 7:49 PM GMT
Updated: Saturday, 14 April 2007 9:06 PM BST
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Thursday, 16 November 2006
Fullwell Park - wo der letzte Koenig Portugals lebte bis er starb

Manuel II. (Emanuel II.) 1889 - 1932 litt an Heimweh bis zuletzt.
Fern der Heimat Portugal, in der Fremde, und ueberall nur Englaender !!

Was erinnert noch heute an ihn, dort, wo er von 1910 -nach Ausrufung der Republik-  bis 1932 im Exil lebte und starb in Fullwell Park ?

King Manoel II. - The Last King Of Portugal

interessante Reportage des englischen Fernsehens 

 

 


Posted by Ralf at 4:52 PM GMT
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Tuesday, 14 November 2006
Schiffsjunge aus Portugal wird Verwaltungschef von St. Petersburg und Sibirien
Das muss man sich mal vorstellen:

Ein portugiesischer Schiffsjunge an Bord eines hollaendischen Schiffes, welches man dem Zar Peter I. der Grosse (1672 - 1725) von Russland zum Kapitaenspielen ueberlassen hat, wird Chef von Petersburg und sorgt knallhart fuer Recht und Ordnung. Dasselbe spaeter in Sibirien.


António Manuel de Vieira (1682 - 1745) (.ru)

 
Der Name "Vieira" bedeutet uebersetzt: "Pilgermuschel"

Wir koennen daraus schliessen, dass António aus einer sefardischen Familie entstammte, welche in Portugal sich durch Zwangstaufe und Tarnname vor kirchlichen und staatlichen Verfolgungen hatte schuetzen wollen, dann aber dennoch eines Tages die Flucht nach Holland hatte antreten muessen.
 
Der junge Antonio musste als Schiffsjunge sein Brot vermutlich selber verdienen.

Das Leben von Antonio, der besseren Aussprache fuer Russen  wegen Anton Manuilovich Devier genannt, war ein spannendes, filmreifes Abenteuer, und Einzelheiten liest man hier.

Antonio machte kein langes Federlesen:

Gluecksspiel und Saufen:                         Auspeitschen und Zwangsarbeit
Wiederholtes mangelhaftes Handwerken: Zwangsarbeit
Betreiben schadhafter Heizoefen:              Strafgeld
Umweltverschmutzung in Fluss Neva oder Kanaele: Auspeitsche
n

Wer Portugal kennt und liebt, wie ich, weiss, wie sehr und dringend hier ein Schiffsjunge wie Antonio als Ordnungshueter fehlt !


Posted by Ralf at 7:39 PM GMT
Updated: Tuesday, 14 November 2006 7:40 PM GMT
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